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Das Geheimnis der Symbolik

"King" George (Bush)

Einige Leute sagen, dass die USA eine Kolonie Israels sei. Andere aber behaupten das Gegenteil: dass Israel eine amerikanische Kolonie sei. In der Tat sind beide Versionen richtig: die USA sind eine israelische Kolonie, und Israel ist eine amerikanische Kolonie. Die Beziehungen zwischen beiden Ländern sind eine Symbiose, ein Terminus, der im Oxford Dictionary als "eine Verbindung von zwei Organismen, die eng mit einander verbunden sind oder der eine im anderen lebt" definiert wird (abgeleitet aus den zwei griechischen Wörtern für "leben" und "zusammen"). Vieles ist schon über die Ursprünge dieser Symbiose gesagt worden. Der amerikanische christliche Zionismus ging der Gründung der jüdisch zionistischen Organisation voraus. Der amerikanische Mythos ist mit dem zionistisch israelischen Mythos fast identisch, dem Inhalt als auch dem Symbolgehalt nach. (Die Siedler flohen wegen Verfolgung aus ihren Heimatländern, ein leeres Land, Pioniere erobern die Wildnis, die wilden Eingeborenen, und so weiter.) Beide sind Einwanderungsländer, was Gutes und Schlechtes mit einschließt. Beide Regierungen glauben, dass ihre Interessen übereinstimmen. Am Unabhängigkeitstag Israels sieht man viele amerikanische Flaggen neben der israelischen - ein Phänomen, für das es keine Parallele auf der Welt gibt.

Deshalb hatte die Amtseinführung von George Bush am 20.Januar 2005 auch eine besondere Bedeutung für Israel. Der vom Staat kontrollierte Fernsehkanal übertrug sie live. In vieler Hinsicht ist der Präsident der USA auch der König Israels. George Bush ist eine sehr einfache, sehr gewalttätige Person mit sehr extremen Ansichten, obendrein ein großer Ignorant. Das ist eine sehr gefährliche Kombination. Solche Leute haben in der Geschichte der Menschheit schon viele Katastrophen ausgelöst. Maximilian Robespierre, der französische Revolutionär, der die Terrorherrschaft erfand, ist "der große Vereinfacher" genannt worden, wegen der schrecklichen Einfalt seiner Ansichten, die er mit der Guillotine durchzusetzen versuchte.

In seiner Krönungsrede versprach Bush, in jede Ecke der Welt Freiheit und Demokratie zu bringen. Nicht mehr und nicht weniger. Er nannte die beiden Länder, in denen er dieses Ziel schon erreicht habe: Irak und Afghanistan. Beide sind von amerikanischen Flugzeugen, welche die "Botschaft" aus ihren Bombenschächten fallen ließen, verwüstet worden. Kürzlich radierten amerikanische Soldaten eine große Stadt von der Erdoberfläche aus, um die Gegner von "amerikanischen Werten" zu überzeugen. Nun sieht Fallujah aus, als wäre es von einem Tsunami getroffen worden. Es ist kein Geheimnis, dass die Neo-Cons beabsichtigen, auch dem Iran und Syrien die "Demokratie zu bringen", und so zwei weitere alte Feinde der USA und Israels zu eliminieren. Dick Cheney, der stellvertretende Präsident (ganz sicher kein Vertreter von Tugenden), hat bereits prophezeit, dass Israel den Iran angreifen könnte, als würde er drohen, einen Rottweiler loszulassen. Man hätte hoffen können, dass nach dem totalen Debakel im Irak und dem weniger offensichtlichen, aber gleich schweren Misslingen in Afghanistan, Bush vor weiteren solchen Aktionen zurückschrecken würde. Aber wie es fast immer bei Herrschern dieses Typs geschieht, kann er sich nicht geschlagen geben und aufhören. Im Gegenteil, ein Fehlschlag treibt ihn dahin, noch extremer zu werden und schwört eher wie der Kapitän der Titanic, "auf Kurs zu bleiben".

Es gibt keine Möglichkeit sich vorzustellen, was Bush anrichten wird, nun, wo er von seinem Volk wiedergewählt wurde. Sein Ego ist zu gigantischen Ausmaßen aufgeblasen worden und bestätigt damit, was Aesop vor 27 Jahrhunderten sagte: "Je kleiner der Geist, um so größer die Einbildung". Er hat den unglückseligen, schwachen Colin Powell hinausgeworfen (wie David Ben Gurion Moshe Sharett entfernte, um 1956 seinen Angriff auf Ägypten vorzubereiten) und seine persönliche Dienerin Condoleezza Rice ernannt, (wie Ben Gurion Sharett durch Golda Meir ersetzte). Nun heißt der Befehl: "Macht das Deck frei für Taten!" Auf diesem Deck ist Bush eine losgemachte Kanone, eine Gefahr für jeden in seiner Nähe. Die Folge dieser Wahlen könnten von der Geschichte als weltweite Katastrophe angesehen werden. Innenpolitisch kann er ähnliche Katastrophen verursachen. Im Namen der "amerikanischen Werte" ist er dabei, einen der tiefsten amerikanischen Werte zu zerstören: die Trennung von Kirche und Staat. Seine Religion ist die eines "wiedergeborenen" Konvertiten, eine primitive Religion ohne Moral und Mitgefühl. Die Verhängung dieser Religion über alle Lebensbereiche - vom Verbot der Abtreibung und der gleichgeschlechtlichen Ehe bis zur Überarbeitung von Schulbüchern - könnte die Gesellschaft um Jahrhunderte zurückwerfen und die Verfassung entwerten. Nach vier weiteren solchen Jahren könnte Amerika ein anderes Land sein als das, das wir in unserer Jugend liebten und bewunderten. Einer meiner Freunde behauptet, dass in der amerikanischen Nation zwei Seelen wohnen, eine gute und eine böse. Das mag für jede Nation gelten, einschließlich sogar Israel und Palästinas, aber in Amerika ist es wesentlich extremer. Da ist das Amerika von Thomas Jefferson (auch wenn er die Sklaven erst auf seinem Sterbelager befreite), Abraham Lincoln, Woodrow Wilson, Franklin Delano Roosevelt und Dwight Eisenhower, das Amerika der Ideale, des Marshallplans, von Wissenschaft und Künsten. Und da gibt es das Amerika des Völkermords, der gegenüber den einheimischen Amerikanern verübt wurde, das Land der Sklavenhändler und des Wildwestmythos, das Amerika von Hiroshima, von Joe McCarthy, der Rassentrennung und von Vietnam, das gewalttätige und unterdrückende Amerika.

George Bush Senior (mit "allsehender" Illuminati-Pyramide)

Während Bushs zweiter Amtszeit könnte dieses zweite Amerika neue Dimensionen der Hässlichkeit und Brutalität erreichen. Es könnte der ganzen Welt ein Modell der Unterdrückung darbieten. Ich würde nicht wollen, dass mein Land, Israel, mit solch einem Amerika identifiziert würde. Jeder Vorteil, den wir von ihm gewinnen können, könnte sich als nur kurzfristig erweisen, der Schaden dagegen lange anhalten und vielleicht nicht mehr rückgängig zu machen sein.

von Uri Avnery (israelischer Staatsbürger) - Übersetzung Ellen Rohlfs 23.01.2005

Quelle: http://www.freace.de (Originaltext gekürzt)